Marten Marquardt, Teil einer Stadtführung 2014

Vom Kölner Dom und den 15 Stufen über dem Rhein[1]

(Der folgende Text gehört zu einer Stadtteilführung für eine amerikanische Gruppe und geht im ersten Teil ausführlich auf die Frühgeschichte Kölns und des Doms ein. Da verschiedene Details der frühen Geschichte unmittelbaren Bezug haben zur jüdischen Geschichte in Köln, geben wir auch diese hier wieder: Für eilige Leser empfiehlt sich die Lektüre beginnend mit 2.2  Das jüdische Köln, Seite 4. Von da aus lässt sich ggfls. Ja auch vorne wieder anfangen)

 

1.        Dom, erbaut auf den Resten römischer Tempel

1.1      Die Römer am Rhein

Germanicus,der Oberbefehlshaber der Rheinarmee, war verheiratet mit Agrippina d. Ä., einer direkten Nachkommin des Kaisers Augustus.  Aus dieser Ehe stammt die am 6. November 15 (oder 16) in „oppidum ubiorum“ (später Köln) geborene Agrippina d. J. Diese machtbewusste Agrippina, (in erster Ehe Mutter Neros!!!) ist in dritter Ehe verheiratet mit Kaiser Claudius. Von ihm erwirkt sie im Jahr 50 n. Chr., dass ihre Geburtsstadt „oppidum Ubiorum“ die Rechte einer römischen Stadt erhält. Sie gibt ihr den Namen CCAA: Colonia Claudia Ara Agrippinensium; daher der Kurzname COLONIA = Köln.

Agrippina bringt ihren dritten Mann Claudius dazu, ihren Sohn aus erster Ehe, Nero, zu adoptieren. Um ihrem Sohn  den Zugang zum Thron zu verschaffen, lässt sie Claudius im Jahr 54 vergiften und Nero zum Kaiser ausrufen. 5 Jahre später (59 n. Chr.) lässt Nero seine Mutter Agrippina umbringen, die ihm zu herrschsüchtig geworden ist.

Um 85 n. Chr. wird das römische Reichsgebiet neu geordnet. Neu errichtet wird die Provinz Niedergermanien (Germania Inferior) mit der Hauptstadt CCAA. Die Stadt wird das wichtigste Handelszentrum im Nordwesten des röm. Reichs. Zu Beginn des 2. Jahrhunderts hat Köln etwa 20 000 Einwohner: 15 0000 Menschen leben innerhalb der Stadtmauern und noch einmal ca. 5000 außerhalb der Mauern.

Von Norden und Osten her drängen die Franken („Die Freien“, ein Bund kleinerer germanischer Stämme, die sich u. a. von Rom frei und unabhängig halten) gegen die römischen Außengrenzen an. Unter Kaiser Konstantin d. Gr. wird um 310 das Kastell Deutz am rechten Rheinufer gegründet, um die Verteidigung gegen die Franken zu optimieren. Deutz wird durch eine feste Brücke an Köln angebunden.

 

1.2      Der Dom

1.2.1  Der „älteste, der fränkische Dom“ (3.Jh. – 9. Jh.)

Im 2. oder 3. Jh. muss in der nordöstlichen Ecke der römischen Stadt ein kleiner heidnischer Podiumtempel gebaut worden sein, der bis zur Aufhebung der nichtchristlichen Kulte bestanden haben wird und der vermutlich am Ende des 4. Jh. abgebrannt ist.

Und schon im 3. Jh. muss es in der Gegend um den heutigen Domhügel dicht bei der nördlichen Stadtmauer einen christlichen Versammlungsraum gegeben haben. Solche christlichen Versammlungsräume pflegte man im heidnischen römischen Reich immer dicht an der Stadtmauer einzurichten, weil da die Grundstücke billiger und die Fluchtwege im Falle einer plötzlichen Verfolgung einfacher zu erreichen waren. Im 4. Jh. baute man diesen Raum zur ersten Bischofskirche aus: „der älteste Dom“. Das dazu gehörige Baptisterium (vermutlich aus dem 6. Jahrhundert) wurde 1866 östlich des Domchores, nahe beim Dionysos-Brunnen wieder entdeckt.
Die südliche Atriummauer dieses fränkischen Domes umschloss den heidnischen Tempel; nachdem dieser durch ein Feuer zerstört war, wurde die südliche Mauerlücke des Atriums geschlossen und die Spuren des heidnischen Tempels waren verschwunden.

Konstantin nimmt die Christen in Schutz gegen immer wieder aufflackernde brutale Verfolgungen. Und Konstantin ermächtigt am 11. Dezember 321 den Rat der Stadt (curia), auch Juden in den Rat zu berufen. Dieses Dekret ist der älteste urkundliche Beleg für eine damals bereits etablierte jüdische Bevölkerung nördlich der Alpen.

 

1.2.2  Der „alte, der karolingische Dom“ (818 – 27. 9. 870)

Um 800 wird Köln durch Karl den Großen zum Sitz des Erzbistums erhoben.  Um 820 wird der „älteste Dom“ abgebrochen; auf seinen Grundmauern wird ein großartiger Neubau errichtet. Am 27. September 870 wird dieser karolingische Dom geweiht.

An ihn schloss sich später östlich die Stiftskirche „St. Maria ad Gradus“ an, geweiht am 21. April 1057 durch Erzbischof Anno II.
Im Juli 953 wählt der Kölner Klerus den Bruder Kaiser Ottos I. Brun(o) zum Kölner Erzbischof (953-965). Brun holt die wichtigen Reliquien Petrusstab und Petruskette nach Köln (St. Peter-Dom) und begründet so die Idee des „hillige Kölle“. Auch die Idee der zwölf Kirchen // zwölf Tore Jerusalems geht vermutlich auf ihn zurück. – Brun stiftet das Benediktiner-Kloster St. Pantaleon, in dessen Kirche die am 15. 6. 991 gestorbene Frau seines Neffen Otto II., Kaiserin Theophanu (ca. 955 geboren, also bei ihrem Tod noch nicht 40 Jahre alt) begraben liegt.

23. Juli 1164: Der Erzbischof Rainald von Dassel zieht mit der Kriegsbeute der mit Zustimmung des Kaisers Barbarossa aus Mailand geraubten Hlg. Drei Könige in Köln ein. – Um 1220 wird der Dreikönigsschrein vollendet. Diese Reliquien und dieser prächtige Schrein machen Köln zu einer bedeutenden Pilgerstätte des Mittelalters und tragen zum Reichtum der mittelalterlichen Stadt bei.

 

1.2.3  Der „neue, der gotische Dom“ (15. 8. 1248 – 15. 10. 1880)

15. 8. 1248:Grundsteinlegung für den neuen Dom. Bei den Abbrucharbeiten zur Vorbereitung des Neubaus ist durch unsachgemäße Arbeiten am 30. 4. 1248 der „Alte Dom“ abgebrannt. Glücklicherweise konnten der Schrein der Heiligen Drei Könige und andere Kultgegenstände noch aus dem brennenden Dom gerettet werden.

Die Bauarbeiten gehen in den kommenden 300 Jahren stetig voran; man hält sich möglichst treu an die Baupläne des ersten Architekten, Meister Gerhard. Aber wirtschaftliche Schwierigkeiten verlangsamen den Fortschritt des Baus immer öfter, bis er um 1560 ganz zum Erliegen kommt. Für weitere 300 Jahre bleibt der Dom eine halbfertige Bauruine. Auf dem Südturm bleibt ein hölzerner Baukran stehen und wird zum Symbol der Stadt.

Als die französischen Revolutionstruppen 1794 nach Köln kamen, schlossen sie den Dom als Kirchenraum und benutzten ihn als Korn- und Fouragemagazin für die französische Armee. Im Winter 1797/98 verheizten Kriegsgefangene die gesamte hölzerne Ausstattung des Lang- und Querhauses. In dieser Zeit der größten Erniedrigung entstand der Impuls zur endgültigen Vollendung des Dombaus. Die Bürgerschaft gründet den Dombauverein und der preußische König Friedrich-Wilhelm IV. sorgt mit dafür, dass am 4. 9. 1842 offiziell der Weiterbau des Kölner Doms beginnt.

Am 15. Und 16. Oktober 1880 wird mit dem großartigen Dombaufest die Vollendung des Kölner Doms gefeiert.

 

1.2.4   Der neueste, der „moderne Dom“                       

Am 22. 5. 1911 wird die Hohenzollernbrücke eingeweiht. Seither dreht sich der wichtigste Verkehr der ganzen Stadt um den Kölner DOM: Eisenbahn, Rheinschifffahrt, und heute über dem rechtsrheinischen Ufer auch die Luftfahrt. Der Dom ist „mitten drin“.

Wenn auch – gemessen am Schicksal der übrigen Stadt –  die Kriegs- und Bombenschäden am Kölner Dom verhältnismäßig gering waren, so hat er doch etliche neue Züge angenommen. Der Nordturm z. B. hat in den Kriegsjahren eine „Plombe“ bekommen: eine Fliegerbombe hatte am 3. 11. 1943 ein bedrohlich großes Loch in die Turmwand gerissen. Um den Turm sofort zu sichern, wurde dieses Loch unsachgemäß mit 27500 Ziegelsteinen gefüllt. Dieser architektonische Fremdkörper blieb sichtbar bis 2004. Die Kölner nannten ihn die „Domplombe“ (engl. „plug“).

Lange hatte man darüber gestritten, ob man die Plombe mit sachgemäßem Material wieder ersetzen sollte, oder ob man sie als „Denk-Mal“ beibehalten sollte. 2004 wurde der größte Teil der „Plombe“ ersetzt; sie ist heute faktisch nicht mehr zu erkennen.

Die Türen der Südfassade waren alle zerstört. Ewald Mataré bekam den Auftrag, sie mit eigenen Entwürfen zu ersetzen. Mataré zog dazu seinen damaligen Lehrling Joseph Beuys heran. Als erstes entstanden schon 1948 die beiden Mitteltüren.

  • Rechts: die Papsttür 1948 mit dem Wappen des damaligen Papstes Pius XII.
  • Links: die Bischofstür 1948 mit dem Wappen von Kardinal Frings (-1969) und mit sieben Kölner Heiligen als Verkörperungen der sieben Gaben des Heiligen Geistes (im Uhrzeigersinn: Albertus Magnus – Rat/ Thomas von Aquin – Weisheit/ Ursula – Gottesfurcht/ Gereon – Stärke/ Petrus Canisius – Wissenschaft/ Johannes Duns Scotus – Verstand/ Hermann Joseph von Steinfeld[2] – Frömmigkeit).
  • Links außen: Pfingsttür 1953 mit himmlischem Jerusalem, brennendem Köln, Regenbogen und Taube als Zeichen des Friedensbundes, der knieende Noah, der einen Weinstock pflanzt.
  • Rechts außen: Schöpfungstür 1954 mit Schöpferhand Gottes, Verklärung Christi auf dem Tabor mit den Jüngern Petrus, Jakobus und Johannes (links unten), der brennende Dornbusch und die Sandalen des Moses als Verweis auf Gottes Erscheinen am Sinai.

 

2.        Die Stadt Köln im Mittelalter und heute 

2.1      Europäisches Geistes- und Kulturzentrum im Mittelalter

Im 13. und 14. Jh. ist Köln ein europäisches Zentrum der Geisteswissenschaften und der Theologie (Albertus Magnus, Duns Scotus) und eine Stadt der Mystiker (Beginen, Meister Eckhart). 1388 wird die Kölner Universität gegründet, die erste nicht von einem Fürsten, sondern von einer bürgerlich-städtischen Initiative gegründete Universität in Deutschland.

1333 besucht der italienische Dichter und Gelehrte Francesco Petrarca die Stadt und gerät ins Schwärmen über Köln: „Keine Stadt in ganz Europa kann sich mit Köln an Großartigkeit und Pracht messen“. Man sagt in Köln: „Qui non vidit Coloniam, non vidit Germaniam“ und „Extra Coloniam nulla vita; si est vita non est vita“.[3]

 

2.2      Das jüdische Köln 

Juden waren in Köln vermutlich schon ein oder zwei Generationen vor den Christen zu Hause. Und in den ersten Jahrhunderten gab es vermutlich ein relativ normales Nachbarschaftsverhältnis zwischen Juden und Christen in Köln. Das wurde besonders befördert durch den über Jahrhunderte schwelenden Streit zwischen der Kölner Bürgerschaft und dem Kölner Erzbischof.

Als z. B. die Bürger im Jahr 1149 ihr neues Rathaus bauen mussten, beschlossen sie, es mitten im jüdischen Viertel zu errichten. Und die Kölner Stadtchronik vermerkt ausdrücklich „domus civium inter Iudeos sita est“, es liegt mitten im Judenviertel von Köln. Einer der Gründe für diese Lage könnte durchaus der sein, dass der Rat der Stadt im jüdischen Viertel dem unmittelbaren Zugriff des Erzbischofs entzogen ist. Denn die jüdische Gemeinde hatte hier eine relative Selbständigkeit in der Verwaltung und der Justiz. So mussten z. B. auch Rechtsstreitigkeiten zwischen Juden und Klerikern innerhalb des jüdischen Viertels vor dem rabbinischen Gericht verhandelt werden.

Dennoch haben sich seit den Kreuzzügen immer mehr Spannungen zwischen  Juden und Christen aufgebaut, die am Ende dazu geführt haben, dass im Jahr 1424 die Juden „auf ewige Zeiten“ aus Köln vertrieben wurden. Ihre Synagoge wurde einfach umgewidmet zur Ratskapelle. Und der große Maler Stefan Lochner, dessen Atelier unmittelbar neben dem Judenviertel lag, malte für diese Ratskapelle 1445 sein berühmtes Altarbild der Kölner Stadtpatrone, das dann in der bisherigen Synagoge, nun die Ratskapelle „St. Maria in Jerusalem“, aufgestellt wurde und fast 400 Jahre lang die Gottesdienste der Ratsherren bestimmte. Jede Ratssitzung wurde mit einer Messe vor diesem Altar begonnen.

Am 6. Oktober 1794 besetzen die französischen Revolutionstruppen die Stadt. Im Zuge der französischen Besatzung wird (17.11.1797) Protestanten und (16.3.1798) Juden wieder das Wohnrecht in Köln zugestanden. Gemeinsam sorgen Protestanten und Juden für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Kölns. Im 19. Jh. fragt man einen Kölner: „Sind Sie katholisch oder vermögend?

Seit den 1970er Jahren kommen immer mehr jüdische Studentinnen und Studenten aus Israel und aus anderen Ländern nach Deutschland. In den 1990er Jahren kommen dazu jüdische Einwanderer aus den Ländern der ehem. Sowjetunion. Diese meist jüngeren Juden können sich nur schlecht in der traditionellen – orthodoxen – jüdischen Einheitsgemeinde integrieren. Sie finden sich zunächst unter dem Dach der ev. Melanchthon-Akademie zu einer jüdischen Arbeitsgemeinschaft zusammen und bearbeiten historische, politische und geistesgeschichtliche Themen.

Nachdem sie auch religiöse Interessen entdecken, suchen sie ein eigenes Haus, in dem sie eine liberale jüdische Tradition entwickeln und leben können. Es ist zunächst schwierig, einen angemessenen und bezahlbaren Ort zu finden. Da vermittelt die Melanchthon-Akademie das Angebot der ev. Gemeinde in Köln-Riehl, die bereit ist, der jüdischen liberalen Gemeinde Räume in ihrer „Kreuzkapelle“ zur Verfügung zu stellen. Im Jahr 2001 zieht die liberale jüdische Gemeinde dort ein und konvertiert die unteren Räume der bisherigen Kapelle in eine Synagoge.

Hier schließt sich ein Kreis der Kölner jüdischen Geschichte zwischen 1424, als die Juden aus Köln vertrieben worden und ihre Synagoge in eine Kapelle umgewandelt worden war und 2001, als hier im Gegenzug nach 577 Jahren eine Kapelle zur Synagoge umgewidmet wurde.

 

2.3      Ma’alot 

Östlich des Domchors stand zwischen Dom und Rhein bis zu ihrem Abbruch im Jahr 1817 die Stiftskirche St. Maria ad Gradus. Über die Stufen (gradus) bei dieser Kirche betraten im Mittelalter viele Neuankömmlinge die Stadt vom Rhein her.

In den 1970er Jahren werden Neubauten für ein besonderes Kunstmuseum und eine Philharmonie auf der Süd-Ostseite des alten Domhügels geplant; damit soll u. a. der Ort der früheren Kirche St. Maria ad Gradus überbaut werden. Die Philharmonie wird dabei als „musikalisches Amphitheater“ so in den Domhügel eingepasst, dass sie an keiner Stelle den Blick auf den Dom versperren kann. Das Ergebnis dieser planerischen Rücksicht auf den Dom ist die „unterirdische“ Philharmonie, deren Dach eine öffentlich begehbare Fläche zwischen Dom und Rhein ist, der frühere Standort von St. Maria ad Gradus.

Der Architekt Peter Busmann lädt im  Sommer 1979 den israelischen Environment-Künstler Dani Karavan ein, diesen Platz, also das Dach der Philharmonie und den Ort der früheren Kirche, künstlerisch zu gestalten.

Dani Karvan kommt nach Köln und vertieft sich etwa ein Jahr lang in die Geschichte dieses Ortes. Dann tritt er mit seinem Plan für die Installation „Ma’alot“ (hebräisch: Stufen, lateinisch: gradus) hervor. 1981 erhält er den Auftrag zur Ausführung dieses Werks. 1986 werden das Museum, die Philharmonie und das Kunstwerk Ma’alot der Öffentlichkeit übergeben.

Karavan nennt sein Kunstwerk: 

Ma’alot, Environment aus Granit, Gusseisen, Ziegelsteinen, Eisen und Schienen, Gras und Bäumen

Mit dieser Bezeichnung vermeidet er entschieden jede inhaltliche Aussage über sein Kunstwerk. Interpretation ist die Aufgabe jedes einzelnen Betrachters. Deutlich ist nur, dass Karavan mit „Ma’alot“ diesen Ort, seine Geschichte, und die Geschichte der Stadt Köln und aller ihrer Menschen assoziativ ansprechen will. Und es hängt nun von dem historischen Wissen, der philologischen und theologischen Erkenntnis, der assoziativen Kraft und der ästhetischen Rezeption jedes und jeder Einzelnen ab, wie sie das Kunstwerk verstehen wollen.

 

2.3.1  Ma’alot – ein Interpretationsversuch 

Folgende Aspekte ziehe ich besonders zum Verständnis heran:

  • Die biblische Psalmengruppe Ma’alot (124-130), ihre Interpretation
  • Die Nähe zum Dom, die Geschichte von Juden und Christen in Köln
  • Der hebräische Name Ma’alot, die jüdische Geschichte in Köln
  • Die Parallele zum Bahnhof, die Schienen, die Schoah
  • Der Stufenturm
  • Die Akazien
  • Die Zahlen
  • Das Fest

 

Die biblische Psalmengruppe Ma’alot (124-130), ihre Interpretation

Der hebräische Name „Ma’alot“ lässt zuerst an die biblische Psalmengruppe denken, die diesen Namen trägt: Psalmen 124-130. In der christlichen Rezeption heißen diese Psalmen „Stufenpsalmen“ oder „Gradualpsalmen“. Diese werden immer wieder auch „auf den Stufen des Altars“, bzw. auf den Stufen des Ambo gelesen. Schon dieser biblische Name schlägt einen Bogen zwischen dem, was in der Messe, bzw. im Gottesdienst der christlichen Kirchen drinnen laut rezitiert wird und dem, was hier draußen vor dem Dom, auf dem Platz aus Granit, Gusseisen, Ziegelsteinen, Eisen und Schienen, Gras und Bäumen erinnert wird. Karavans Kunstwerk interveniert unaufdringlich, aber auch unüberhörbar zwischen Gottesdienst hier und Geschichte da, zwischen christlicher Aneignung hebräischer Bibeltexte drinnen und jüdischer Erfahrung mit dem christlichen „Abendland“ draußen.

Die Ma’alot-Psalmen sind Lieder der jüdischen Exilserfahrung und sie singen von der Erwartung der Heimkehr. Was Luther als Wallfahrtslieder interpretiert, sind im jüdischen Verständnis Sehnsuchtsgesänge derer, die noch in der Fremde leben müssen und sich nach Hause phantasieren: „…so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens sein…. Herr bringe zurück unsere Gefangenen … Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten…“ (Ps 126).

 

Die Nähe zum Dom, die Geschichte von Juden und Christen in Köln

Wenn wir heute durch Dani Karavans Kunstwerk östlich des Doms dieses in Deutschland einmalige Kunstwerk mit seinem biblischen Namen sehen, dann kann ein aufmerksamer Betrachter m. E. gar nicht anders als diese Sehnsuchtslieder der jüdischen Exilserfahrung und unseren christlichen Gebrauch dieser Psalmen zusammen zu denken. Der Dom repräsentiert auf besonders eindrucksvolle Weise die Macht und den Einfluss der christlichen Kirche auf die Geschichte des Abendlands und Deutschlands. Die durch das Kunstwerk dokumentierte Korrespondenz zwischen christlicher Machtdemonstration und jüdischen Ohnmachtserfahrungen will auf Ma’alot bedacht und ermessen sein.

 

Der hebräische Name Ma’alot, die jüdische Geschichte in Köln

Köln ist vermutlich die einzige Stadt in Deutschland, die einen besonders gestalteten Platz hat, der einen hebräischen Namen trägt. Dieser hebräische Name verlangt nach einer Erinnerung an die Geschichte derjenigen Stadtbewohner, die – wahrscheinlich bereits ein oder zwei Generationen vor den Christen ­– einmal hier gelebt haben als angesehene und gleichberechtigte, waffentragende und Seite an Seite mit ihren christlichen Nachbarn zur Verteidigung der Stadt aufgerufene Bürger und die in ihren Gottesdiensten hebräisch sprachen und Ma’alot-Psalmen in hebräischer Sprache singen konnten.

Wenn auch die jüdische Gemeinde in Köln sehr wahrscheinlich älter war als die christliche, so verlor sie doch seit dem frühen Mittelalter zunehmend an Sicherheit. Schon im ersten Kreuzzug von 1096 wurde die jüdische Gemeinde hier von Kreuzrittern im Namen „des christlichen Gottes“ angegriffen und empfindlich getroffen. Die jüdische Gemeinde konnte sich zwischen den Kreuzzugswellen anfangs zwar immer wieder erholen, aber die Zeiten des „rheinischen Jerusalem“, als Juden sich hier wie zu Hause fühlen konnten, waren seit 1096 vorbei.

In Köln brachte dann das Jahr 1424 die für die Juden – und damit auch für die Christen – entscheidende Zäsur. In diesem Jahr beschloss der Rat der Stadt das endgültige Aus für die Juden in Köln: Sie wurden “auf ewige Zeiten“ aus Köln vertrieben. Und damit war das jüdische Leben in Köln für die nächsten 374 Jahre erloschen. In Köln durften sich Juden nun nicht mehr ansiedeln. Das „rheinische Jerusalem“ war zerstört; jüdische Häuser wurden konfisziert und gelangten in den Besitz der Stadt und der früheren christlichen Nachbarn. Aus jüdischen freiwilligen Emigranten der heidnischen Römerzeit waren nun mit Gewalt vertriebene jüdische Exulanten des christlichen Mittelalters geworden.

 

Die Parallele zum Bahnhof, die Schienen, die Schoah

 Die Erholung jüdischen Lebens in Köln, die mit der französischen Besatzung begonnen hatte, führt zu einem erstaunlichen Aufschwung des religiösen und des kulturellen jüdischen Lebens in Köln. Das zeigen die verschiedenen und zum Teil prächtigen Synagogenbauten des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts. Das zeigt auch die Tatsache, dass von Köln viele starke Impulse jüdischer Selbstbesinnung und Neuorientierung ausgingen: Moses Hess, der Vater des sozialistischen Zionismus hat hier gelebt; Max Bodenheimer und David Wolffsohn, beide bedeutende Wegbereiter des praktischen Zionismus, waren Kölner. Hier hatte Ende des 19. Jh. die „Zionistische Vereinigung für Deutschland“ in der Richmodisstr. 6 ihr Büro; in Köln befand sich damals auch die Zentrale des Jüdischen Nationalfonds.

Die nationalsozialistische Judenverfolgung gipfelte in der seit der Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 begonnenen Endphase einer systematischen Deportations- und Vernichtungspolitik, der von den Nazis zynisch so genannten „Endlösung“. Immer wieder waren schon seit Oktober 1941 (1. Transport) Bahntransporte auch von Köln nach Osten in die Vernichtungslager geschickt worden. Diese Transporte wurden immer am Deutzer Bahnhof, am rechten Rheinufer, direkt gegenüber dem Kölner Hauptbahnhof zusammengestellt und von dort in den Tod geschickt. Der letzte verließ Köln am 1. Oktober 1944.[4]  – Seither haben hier für die historisch bewussten Betrachter alle Schienen, die nach Osten führen, Signalcharakter: Die Vernichtungstransporte wurden von hier aus über Schienen abgewickelt; und „nach Osten“ war ein Codewort u. a. für „Auschwitz“.

So bekommt die Ostung der christlichen Kirchen und des Dom eine finstere Ambivalenz: Die Ausrichtung nach Osten war ursprünglich die jüdische und die christliche hoffnungsgeladene „Orient-ierung“ nach Jerusalem; seit 1941 bedeutet „Osten“ auch Vernichtung und Tod. Das Geräusch der Schienen verschärft den bedrohlichen Zug dieser Ostung.

Wenn Dani Karavan auf Ma’alot einzelne Schienen parallel zu den Eisenbahnschienen nach Osten verlegt, ist diese Assoziation zur Schoah tatsächlich nicht mehr zu vermeiden. Wenn die zentrale Schiene seiner Installation direkt auf diesen eigenartigen Stufenturm zu und durch ihn hindurchführt, lässt sich auch die Anspielung an Wachtürme und Lagertürme in den osteuropäischen KZ’s nicht mehr umgehen.

Und wenn diese ganze Ausrichtung nun auch noch dazu direkt auf den hoch zu Ross heranreitenden Kaiser Wilhelm II. zuführt, den heftigsten Antisemiten unter den deutschen Kaisern, der schon lange vor Adolf Hitler Gas als Waffe gegen die Juden einsetzen wollte[5], dann ist die Schoah als ein Interpretationsrahmen für Ma’alot unausweichlich zumindest mitzudenken.

 

Der Stufenturm 

Der Stufenturm lässt sehr unterschiedliche Assoziationen zu. Er schließt die Stufen ab, über die man vom Rhein heraufsteigen kann. 

An dieser Stelle stand einmal ein Tor, durch das die Besucher der Stadt vom Rhein heraufkamen und ihren Fuß in die Stadt setzten: „Jerusalem ist gebaut als eine Stadt, in der man zusammenkommen soll, wohin die Stämme hinaufziehen, die Stämme des Herrn“ (Ps 122, 3).

Die Innenflächen des Turms sind von beiden Seiten her schräg abgewinkelt, so als ob sich die beiden Torflügel öffnen oder schließen ließen: „Nun stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem“ (Ps 122, 2).

Treppenstufen führen hinein und hinaus. Die Granit- und Gusseisenblöcke sind stufenförmig so auf einander gestapelt, dass sie auch Sitzflächen andeuten können: Richterstühle, Königsthrone: „Denn dort stehen die Throne zum Gericht, die Throne des Hauses David“ (Ps 122, 5).

Oberhalb des „Haupttores“ befindet sich eine länglich-rechteckige Öffnung, deren Innenflächen sich abgeschrägt von oben nach unten neigen, sodass sie von unten den Eindruck eines Oberlichts oder einer Lichtschütte vermitteln: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher wird mir Hilfe kommen?“ (Ps 121,1); „Ich hebe meine Augen auf zu dir, der du im Himmel wohnst“ (Ps 123,1).

Der Stufenturm aus Granit- und Gusseisenblöcken am Ende der ostwärts geführten Schiene lässt allerdings auch die Erinnerung an einen Wachturm zu. Dabei erlauben die Schlitze auch den Gedanken an Schießscharten und die Lichtschütte kann sich der historischen Assoziation dann tatsächlich auch als schräge Dachöffnung darstellen, durch die in Auschwitz das tödliche Zyklon-B-Gas eingeführt wurde. Dann wird die Lichtöffnung zur Gasluke.

 

Die Akazien

Parallel zur Schiene, die ostwärts auf den Turm zuführt, sind 6 Akazien gepflanzt, die den Weg nach Osten säumen. Warum Akazien? – In Jes 41, 8-19 heißt es: „Du aber, Israel, mein Knecht, Jakob, den ich erwählt habe…:Fürchte dich nicht, ich bin mit dir, weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch… Ich will in der Wüste wachsen lassen Zedern, Akazien, Myrten und Ölbäume…“. Auch Akazien werden demnach für alle Heimkehrer die Straßen der Erlösung und die Wege nach Zion säumen.

So gewinnen auf Ma’alot die Schienen, die Himmelsrichtungen und die Bäume durchaus einen ambivalenten Charakter zwischen Verzweiflung und Hoffnung, zwischen Untergang und Erlösung.

 

Die Zahlen

Auf einer Bodenplatte am Ausgangspunkt der nördlichen Schiene sind kommentarlos folgende Zahlen zu lesen:

6 – 9 – 45 – 90 – 135 –180 – 270

Diese können sich auf Architekturmaße des ganzen Ensembles beziehen. Sie lassen aber auch eine ganz andere Betrachtungsweise zu.

In der jüdischen Auslegungstradition spielt verschiedentlich die Tatsache eine Rolle, dass im Hebräischen jeder Buchstabe zugleich einen Zahlenwert hat. So steht der erste Buchstabe, das Alef א, z.B. für die 1. Aus dieser Doppeldeutigkeit von Buchstaben und Zahlen ergeben sich Assoziationsmöglichkeiten zwischen Zahlen und Buchstaben, zwischen Zahlenreihen und ganzen Wörtern, die überraschen können. Jedes Wort kann auch als Zahlenwert geschrieben werden.

 

Da man aber bei der Zahl 40 auch die 0 übergehen kann, weil sie keinen Zahlenwert hat, lässt sich A(D)AM auch in der Zahl 9 (1+4+4) lesen.

Die 9 und die 45 sind also die mystischen Zahlen für den Menschen.

Der Gottesname יה, der besonders Gott als den ursprünglichen Schöpfer meint, hat den Zahlenwert 6 (5+1(0)) oder 15 (5+10). Der BT (Men 29b) erklärt: Mit dem י des Gottesnamens wurde die kommende Welt geschaffen. Mit dem ה  wurde diese gegenwärtige Welt geschaffen. Der Gottesname mit den Buchstaben י  und  ה  verbindet also die beiden Welten.

Die Schöpfung hat den Zahlenwert 15, denn 9 = der Mensch, die Menschenwelt, + 6 = der Schöpfer, Gotteswelt, ergibt die Schöpfung. Der Mensch ist Gottes Partner in der Schöpfung: Psalm 8, 6: Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott.

David = דוד hat den Zahlenwert 14: D = 4 + V = 6 + D = 4 ergibt 14. Sein Sohn Salomo ist als Vertreter der 15. Generation der Erbauer des Tempels und damit derjenige, der Gottes Gegenwart in Jerusalem und damit die Manifestation der kommenden Erlösung für Zion in Person vertritt.

So lassen sich nun alle Zahlen auf der Bodenplatte auch mit der mystischen Auslegung der Ma’alotpsalmen verbinden:

6          Der Schöpfer

9          Der Mensch

(15       Die Zahl der Ma’alotpsalmen)

45        Der Mensch

90        Das Menschenpaar

135      Die Familie

180      Ein Quotient der Zahl für den Schöpfer
Die durchschnittliche Größe eines erwachsenen Menschen

270      Ein Quotient der Zahl für den Menschen
Alle diese Zahlen lassen sich also sinnvoll in Beziehung setzen zu den Ma’alotpsalmen und zu dem Kunstwerk Ma’alot:

  • Es gibt 15 Ma’alotpsalmen
  • Es gibt 15 Generation bis zu Salomo und dem Tempelbau
  • Es gibt 15 Stufen zur Erlösung
  • Es gibt 15 Stufen zum Altar
  • Es gibt 15 Bäume auf Ma’alot: 6 Akazien, 9 Ahornbäume
  • Die Zahl der Schöpfung lautet 15
  • Schöpfer (6) und Mensch (9) sind gemeinsam (15) für die Schöpfung da
  • Die Schöpfung (15) ohne Mensch (9) endet in der Zahl 6:
    6 Millionen Juden fielen der Schoah zum Opfer
  • 6 ist Zahl der verwüsteten Erde (15-9)
  • der Ma’alot-Turm besteht aus sechs Blöcken
  • Die Schiene besteht aus sechs Teilen
  • Das Labyrinth hat sechs Kreise.

 

Das Fest 

Die südliche Schiene geht aus von einer angedeuteten Wasserkuhle am Fuß der Stufen. Sie gehört zur liturgischen Ausstattung dieser Psalmen. Denn zu Zeiten des Tempels wurde jedes Jahr das prunkvolle Wasserschöpffest gefeiert, bei dem die Leviten aus einer Quelle unterhalb des Tempels in großen Krügen Wasser schöpften, das sie dann unter lebhafter Teilnahme der Tempelbesucher von dort über die Tempelstufen hinauftrugen. Während dieser festlichen Wasserprozession sangen die Leviten laut alle15 Ma’alotpsalmen, indem sie von Stufe zu Stufe in eine höhere und lautere Tonlage übergingen. Dazu wurden Instrumente geblasen und Lichter entzündet. Im Talmud heißt es: Wer noch nie beim Jerusalemer Wasserschöpffest zugegen war, hat noch nie ein wirkliches Fest erlebt.

Indem uns die südliche Schiene zur Wasserkuhle auf der Rheinebene hinabführt und uns von dort wieder zum Dom hinaufsteigen lässt, beginnen wir die Freude zu erahnen, die Juden beim Wasserschöpffest in Jerusalem erlebt haben müssen. Und wenn wir die Stufen mit ihrem betörenden Lavendelduft hinter uns haben, tut sich die weite Fläche von Ma’alot vor uns auf und führt uns direkt auf die labyrinthischen Kreise, im angedeuteten Amphitheater, wo die Schiene endet. Die ganze Anlage ist eine bewegende Inszenierung jüdischer Erinnerung, Sehnsucht und Hoffnung im Exil, der sich vermutlich kein nachdenklicher Fußgänger entziehen kann. In einer rabbinischen Auslegung heißen die Ma’alot-Psalmen darum einfach „Lieder der Heimkehr“.

 

3.3.2    Der Dom, die Stadt und diese Stufen 

Der Dom hat diese Installation m. W. noch niemals würdigend zur Kenntnis genommen. Und als der deutsche Papst Benedikt XVI. im Jahr 2005 aus Anlass des sog. Weltjugendtags in Köln über diese Stufen von Ma’alot hinaufstieg und über das gesamte Kunstwerk Ma’alot hinüberging zum Dom, hat er die Bedeutung dieses „environment“ vermutlich noch nicht einmal geahnt; jedenfalls hat er kein einziges Wort in der Öffentlichkeit darüber verloren. So wie die Masse der Touristen, die täglich hier vorübergehen und wie die Masse der Verliebten, die täglich hier behängt mit ihren sog. „Liebesschlössern“ unterwegs sind, ebenso achtlos gehen die meisten Vertreterinnen und Vertreter unserer Kirchen über Ma’alot hinweg.

Ma’alot gehört zu den im Museum Ludwig inventarisierten Kunstwerken, für deren Präsentation, Pflege und Erhaltung die Stadt Köln durch das Museum zuständig ist. Das kostet Geld. Da Geld notorisch knapp ist, ist der Platz in den letzten 20 Jahren immer mehr verfallen; notwendige Reparaturen, Reinigung und Restaurationsarbeiten wurden vernachlässigt. Das Kunstwerk drohte völlig vergessen zu werden.

Da hat sich im Jahr 2010 eine Bürgerinitiative „Kölner BürgerInnen für Ma’alot“ gegründet, die nun mit eigenen Kräften die gärtnerische Pflege der Lavendelbeete übernommen hat, und die die Stadt, das Museum Ludwig, die Architekten und den Künstler Dani Karavan mit einander ins Gespräch gebracht hat. Die BI hat eine eigene homepage eröffnet, auf der ständig über die neuesten Vorgänge auf und um Ma’alot informiert wird.[6] Seither finden hier gelegentlich Veranstaltungen statt: Performances, Tanz, Pantomime, Gedenkfeiern. Der Platz und seine künstlerische Gestaltung sind seither wieder mehr im Gespräch. Auch die offiziellen Stadtführungen beziehen nun diesen Platz öfter in ihr Programm mit ein. Die Stadt und das Museum haben sich öffentlich zu ihrer Verantwortung für Ma’alot bekannt. Ein Prozess der gründlichen Restauration hat begonnen und soll zum Ende 2014 abgeschlossen sein.

In Anlehnung an Paul Klee, der einmal gesagt hat: Kunst zeigt nicht das Sichtbare, sondern Kunst macht sichtbar, sage ich hier: Der Umgang mit der Kunst kann nicht nur die Kultur einer Stadt demonstrieren, er kann sie auch demontieren: Cologne can not only assemble fine pieces of art, she can also disassemble them. Die Bürgerinitiative versucht das zu verhindern.


[1] Verwendete Literatur: Busmann + Haberer, Eine Architektur für die Sinne 1996 – C. Dietmar, Die Chronik Kölns, 1991 – W. P. Eckert, Kölner Stadtführer, 1996 – A. C. Feuer, Tehilim, vol. 5, 1983 – S. R. Hirsch, The Psalms, 1978 – M. Marquardt, Hg., Köln grüßt Jerusalem, 2001 – P. Restany, Dani Karavan, 1992 – K. Ruhrberg, Hg., Karavan, 1981

[2] Geboren 1150 in Köln – 7. 4. 1241, wirkend in Kloster Steinfeld bei Kall, Eifel. Heiligsprechung beantragt 1626, bestätigt offiziell 1958.

[3] Zum Ausgleich sei auf Johann Kaspar Riesebeck verwiesen: Briefe eines reisenden Franzosen, 1783 (Neuausgabe hg. v. H. Boehncke u. H. Sarkowicz, 2014). Darin  heißt es u. a. : „Köln, Bruder, ist in jedem Betracht die abscheulichste Stadt von Deutschland. … Überhaupt ist Köln wenigstens um ein Jahrhundert dem ganzen übrigen Deutschland  zurück, Bayern selbst nicht ausgenommen. Bigotterie, Unsittlichkeit, Trägheit, Grobheit, Sprache, Kleidung, Meublen, kurz alles zeichnet sie so stark von ihren übrigen Landsleuten aus, dass man sie mitten in ihrem Vaterlande für eine fremde Kolonie halten muss.“ (KStAz. 21. 2. 2014 S. 26 / mm: Köln. Aktuelle clips)

[4] Am Deutzer Bahnhof jenseits des Rheins findet sich heute eine Gedenktafel mit folgendem Text:

„An dieser Stelle war der Aufgang zum Bahnhof Deutz-Tief. Von hier aus wurden 1940/41 mehr als 1500 Sinti und Roma und seit 1941 über 11 000 Juden in Konzentrationslager deportiert. Zudem wurden die Häftlinge des Messelagers Deutz hier an- und abtransportiert. Über diese Treppe gingen viele Menschen in den Tod.“

[5] J.C.G. Röhl, Das beste wäre Gas, DIE ZEIT 48/94 (25.11.1994) (MM: II-140)

[6] http://maalot25.de